Sandra Bubendorfer-Licht

Anliegen der Bergwacht für Berlin

Besuch bei der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen (v.l.) Regionalgeschäftsführer Hannes Zollner, Beatrice Krieger-Keller (Grainau), FDP-Kreisvorsitzende Maria Ackermann, FDP-Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer-Licht, BW-Geschäftsführer Anton Gehringer und Bereitschaftsleiter Andreas Dahlmeier. (Foto: Josef König/Abdruck honoarfrei)

FDP-Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer-Licht (Ampfing) besuchte die Bereitschaft Garmisch-Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen (30.06.21) – Bedingt verfügbare Hubschrauber bei Nachteinsätzen und höher werdende Naturschutzhürden sind ein Teil der Herausforderungen der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen.  Diese Anliegen der heimischen Bergretter hat die FDP-Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer-Licht (Ampfing), Mitglied des Innenausschusses und Fraktionssprecherin für Katastrophenschutz und Bevölkerungshilfe, beim Besuch der Bereitschaft für ihre Arbeit nach Berlin mitgenommen. Eine lokale Delegation der FDP um die Kreisvorsitzende Maria Ackermann begleitete die Abgeordnete.

Bereitschaftsleiter Andreas Dahlmeier kam schnell zum Punkt, wo die heimischen Bergretter der Schuh drückt: Im vergangenen Jahr wurden 170 Hubschraubereinsätze begleitet, etwa um Vermisste zu suchen oder zu retten, meist mit dem Rettungshubschrauber Christoph Murnau oder dem RK II, die jedoch nicht nachtflugtauglich sind. Die Einsatzhubschrauber der Polizei sind nachts zwar generell alarmierbar, werden jedoch vorrangig für Ihre originäre Polizeiaufgabe eingesetzt und stehen somit nicht immer zwingend zur Verfügung. Die Rettungshubschrauber der Bundeswehr seien 2016 von Penzing abgezogen worden und in Niederstetten

(Baden-Württemberg) stationiert.

Die SAR-(Search and Rescue/Suchen und Retten)-Hubschrauber sollten gebirgsnah stationiert werden, z. B. im oberbayerischen Altenstadt (Lkr.

Weilheim-Schongau). Dort befindet sich eine Lufttransportschule der Bundeswehr. Die FDP-Innenpolitikerin Sandra Bubendorfer-Licht versprach, sich mit Agnes Strack-Zimmermann, der verteidigungspolitischen Sprecherin der Liberalen, in Verbindung zu setzen und sich um das Anliegen zu kümmern.

Der Einsatz mit Hubschraubern verursacht ein nächstes Problem. Generell liege der Naturschutz der Bergwacht sehr am Herzen, da er auch zur Kernaufgabe der Bergwacht gehört. Übungstermine sollte jedoch nicht zu stark eingeschränkt sein. Hierzu sei die Bergwacht bereits mit den zuständigen Behörden im konstruktiven Austausch. „Wir müssen im Gelände und am Berg üben“, betont Hochland-Regionalgeschäftsführer Hannes Zollner. Das Bergwacht-Zentrum in Bad Tölz ermögliche das Training und die Simulation von schwierigen Situationen in der Flugrettung wie auch in der Seilbahnrettung, aber es ersetze nicht das Training am Berg.

Die Corona-Pandemie hinterließ auch am Berg ihre Spuren: Die Einsätze der Bergretter sind im vergangenen Jahr laut Geschäftsführer Anton Gehringer gegenüber 2019 um 25 Prozent auf 744 zurückgegangen.

Schwerpunkt (555 Fälle) bleiben im Winter verletzte Skifahrer, Snowboarder und Rodler. Im Sommer müssen Helfer am Berg in Not geratene Wanderer und häufiger auch überforderte „Alpintouristen“ ins Tal bringen. Das Einsatzgebiet zieht sich vom Kramerspitz (1985 Meter hoch) bis zu Deutschlands höchstem Gipfel der Zugspitze in 2962 Meter. Rund

25.000 Ehrenamtsstunden leisteten die 120 Garmischer Bergretter dabei im vergangenen Jahr. „Wir machen das gerne, es herrscht eine tolle Kameradschaft.“ Aber er warnt auch: „Die Berge sind inzwischen zu einem ganzjährigen Abenteuer-Spielplatz geworden. Wir müssen an 365 Tagen rund um die Uhr gewappnet sein.“

Erstaunt war die Besuchergruppe über die hohen Anforderungen an die ehrenamtlichen Retter. Neben der Liebe zu den Bergen werde vorausgesetzt, dass angehende Kandidaten das Klettern und das Skifahren beherrschen, so Anton Gehringer. Die Ausbildung zur aktiven Einsatzkraft kann im besten Fall in etwa zwei Jahren durchlaufen werden. Interessenten werden im Sommer und Winter auf Eignung geprüft. Im Sommer liege der Schwerpunkt auf dem Umgang und Klettern mit dem Seil, im Winter ist die Skitechnik und die Lawinenkunde gefragt. „Wenn Interessenten die Tests bestehen, beginnt die eigentliche Ausbildung“, so Gehringer. Jeder Anwärter lerne die spezifischen Rettungsgeräte und die Zusammenarbeit im Team kennen.

Neben der Kenntnis der Rechnungstechniken werden in der Grundausbildung Notfallmedizin, Luftrettung und Naturschutz gelehrt.

Die Finanzierung der Bergrettung steht laut Gehringer auf drei Säulen.

Ein Drittel wird über die Abrechnung der geleisteten Einsätze mit den Krankenkassen eingebracht, ein Drittel finanzieren Förderer und Spender und ein weiteres Drittel steuert der Freistaat bei. Bayern gibt laut Innenministerium im Doppelhaushalt 2020/21 rund 5,3 Millionen Euro die Beschaffung von Fahrzeugen, Rettungsmittel und Funktechnik aus.

Die Bergretterinnen und Bergretter sehen sich einer gestiegenen

Erwartungs- und Anspruchshaltung gegenüber. Dabei nehme die gesunde Selbsteinschätzung der Bergtouristen tendenziell ab, wie Regionalgeschäftsführer Hannes Zollner in der Praxis feststellt.

Indizien seien die Zunahme von Notruf-Indikationen, die als sogenannte Blockierungen eingeschätzt werden. Bergtouristen folgten den digitalen Routen manchmal blindlings, ohne die Eignung für die alpine Welt zu besitzen. Zudem verführe der schnelle Griff zum Handy zu einer schnelleren Alarmierung. Die finanziellen Risiken einer Rettungsaktion werden bisweilen als minimal angesehen. Die Bergtouristen hätten eine Erwartungshaltung, dass zu jeder Zeit, überall und bei jedem Wetter Rettung kommt.